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Alleine ist man nicht viel

Wenn Unternehmer über ihre Firmen sprechen, dann fallen häufig Schlagworte wie „Umsatz" und „Wert", um die eigenen Leistungen zu untermauern. Wenn Klaus-Hinrich Vater und Uwe Friedrichs in der Rückschau den Weg der Vater Unternehmensgruppe abschreiten, sprechen die beiden hingegen häufig von „Werten". Beide sind sich einig, dass nachhaltiger unternehmerischer Erfolg nur möglich ist, wenn man transparent agiert, Vertrauen schenkt und bei aller IT den Menschen nie aus den Augen verliert.

Klaus-Hinrich Vater und Uwe Friedrichs im Gespräch.

20 Jahre Vater Gruppe

Viele Wege führen in die Selbständigkeit. Manche Gründer glauben an ein geniales Produkt oder entdecken eine Marktlücke. Für Klaus-Hinrich Vater war es die Idee der Selbständigkeit - der Wille, selbst für sein eigenes Auskommen verantwortlich zu sein - die ihn schließlich zum Unternehmer werden ließ. Vor allem war es das Bedürfnis, selbst darüber zu bestimmen, was man wann macht und wie man es macht. „Wenn ich zurückblicke, dann weiß ich, was ich gewollt habe", beginnt Vater seine Rückschau. „Aber von vornherein zu bestimmen, wohin der Weg geht, das ist nicht möglich", schließt er nach einer kurzen Pause.

„Es hätte auch alles anders kommen können, ich hätte auch Betriebswirtschaftslehre studieren können," erinnert sich Klaus-Hinrich Vater mit einem Lächeln an die Zeit vor der Unternehmensgründung. Aber es kam anders als BWL: „In der Oberstufe hatte ich einen ganz wunderbaren Lehrer für Mathe und Physik, der meine Neigung für Naturwissenschaften entdeckt und gefördert und mir schließlich ein Ingenieur-Studium als breite Basis empfohlen hat. Meine Bundeswehrzeit hat mich zur Nachrichtentechnik gebracht. Und weil ich nicht die Ambition hatte, der große Erfinder zu werden, bin ich umgeschwenkt und habe ein Nachrichtentechnik-Studium an der Fachhochschule Kiel angefangen."

Das Ende seines Studiums fiel für Vater in eine günstige Zeit: Ingenieure wurden 1990 händeringend gesucht und gute Absolventen konnten sich die Arbeitgeber vor der Haustür aussuchen. „Ich bin bewusst zu KFM [Kabel- und Fernmelde-Montage Gesellschaft mbH] gegangen. Nicht weil ich unbedingt mit Kabeln arbeiten wollte, sondern weil mir die Struktur als eigentümergeführtes Unternehmen mit stattlicher Größe zusagte und weil ich der Meinung war, dass ich dort viel lernen konnte." Schnell gelangte Vater hier an sein Ziel: Eine Position mit Führungs- und fachlicher Verantwortung, in der er die Freiheit hatte, zu gestalten und zu entwickeln. Bedeutsam für Vaters weiteren Weg war jedoch, dass er hier Uwe Friedrichs kennenlernte. Dieser hatte fast zeitgleich mit Vater als Techniker für Telefonanlagen bei KFM angeheuert.

Mit Vaters Beförderung zum Abteilungsleiter bei KFM wurden die beiden ein unzertrennliches Gespann. „Ich habe gemerkt, Uwe ist einer, mit dem kann man Pferde stehlen. Ich hab dich weggeholt von deinen Telefonanlagen, die du so geliebt hast. An einen Schreibtisch", erinnert sich Vater. Sein Partner Friedrichs korrigiert die Geschichte trocken „Überredet hast du mich! Aber wir haben ja von Anfang an auch fest verankert – wenn es mir nicht gefällt, dann kann ich wieder raus." Vater lacht Friedrichs an und dreht sich ihm zu: „Auch wenn meine Detailerinnerung schwammig ist, deine Zweifel waren doch nach zwei Wochen aus der Welt." Friedrichs größtes Bedenken war, wie seine Kollegen den Wechsel in die Führung aufnehmen würden. Trocken fasst er zusammen: „Es kommt immer drauf an, wie das Klima ist. Aber hat gut geklappt."

Der Mensch im Mittelpunkt

Vater Friedrichs„Wir sind beide unterschiedlich. Aber wir haben eins gemeinsam", will Vater die Chemie zwischen den beiden auf den Punkt bringen. „Wir stellen den Menschen in den Mittelpunkt." „Und waren uns auch bei Entscheidungen immer sehr schnell einig", vollendet Friedrichs.

Ende 1996 war Klaus Hinrich-Vater der Überzeugung, dass er das Handwerkszeug parat hatte, um seinen Jugendtraum von der Selbständigkeit Wirklichkeit werden zu lassen. Klar, dass er diesen Schritt mit Uwe Friedrichs gemeinsam gehen wollte. „Wir haben uns mit unseren Frauen zusammengesetzt und alles besprochen. Und dann ging's los." Das ambitionierte Ziel war es, im Bereich Kupfer- und Glasfaser-Netzwerktechnik ein führender Anbieter in Schleswig-Holstein zu werden. Von den Mitbewerbern wollte man sich mit einem Service-Anspruch absetzen, den sonst nur weit größere Unternehmen wie Siemens, Alcatel SEL, Bosch oder Telekom boten. Zudem wollte man zweigleisig fahren: als Subunternehmer dieser großen Mitbewerber oder direkt als Dienstleister für Endkunden tätig sein. Der Businessplan sah vor, dass man nach fünf Jahren mit zwölf Mitarbeitern einen Umsatz von 1,5 Millionen D-Mark erwirtschaften wollte. Doch die Realität holte die beiden Unternehmer ein und ließ den Plan schon ein halbes Jahr nach der Gründung hinfällig werden.

„Nach einem halben Jahr hatten wir zwölf Mitarbeiter, in unserem ersten vollen Geschäftsjahr haben wir 3,5 Millionen Umsatz D-Mark gemacht. Das war ein sensationelles Ergebnis. Wir hatten uns ganz schnell einen Namen gemacht. Zu unseren Kunden zählten Firmen wie Siemens, Unilever und AOL", erinnert sich Vater an den frühen Boom. „Es hatte aber auch was mit dem Zeitfenster zu tun, in dem das passiert ist", wirft Uwe Friedrichs beschwichtigend ein. „Wir haben den Jahrtausendwechsel vor uns gehabt und da gab es einen enormen Bedarf am Markt." Unternehmen hatten Angst vor dem Y2K-Bug, der drohte ihre IT-Systeme lahm zu legen. In der Folge wurde viel Software ausgetauscht; die neue Software brauchte bessere Hardware und schnellere Netzwerktechnik. „Damals gab es so viele langsame Netze", erinnert sich Vater, „die Leute haben ihre Rechner hochgefahren und sind erstmal Kaffeetrinken gegangen." Goldgräber-Stimmung ergriff die Netzwerktechnik-Branche.

Vertrauen als Basis für den Erfolg

Die Gründe für den Erfolg lagen aber auch im Inneren. Selbst große Hersteller und Zulieferer arbeiteten mit dem noch jungen Unternehmen zusammen, als seien sie langjährige Kunden und sorgten so dafür, dass Vater und Friedrichs ihren selbst gesteckten Ansprüchen an beste Arbeitsmittel und schließlich Arbeit gerecht werden konnten. Auf die Frage, wie man dies bewerkstelligt, antwortet Friedrichs ohne zu überlegen mit einem Wort: „Vertrauen". Nach einer kurzen Pause führt er in knappen Worten aus: „Partnerschaftlicher Umgang miteinander." Vater ergänzt: „Es war eine große Stärke von uns, dass wir – selbst als wir noch ganz ganz klein waren – davon überzeugen konnten, dass wir unseren Weg gehen werden, dass es gerechtfertigt ist, uns zu beliefern, als seien wir ein Großkunde." Dieses Bild von der eigenen Vision glaubhaft zu vermitteln, gelang Vater nicht nur bei den Zulieferern, sondern auch bei den Mitarbeitern und bei den Kunden.

Hinzu kam, dass die zur Zufriedenheit der Kunden abgewickelten Aufträge neue nach sich zogen. Jeder Auftrag konnte als Referenz genutzt werden, die weitere und größere Türen öffnete und das Wachstum des Unternehmens vorantrieb.

Doch die ersten Jahre, in denen Vater und Friedrichs von der Schnelligkeit des Erfolgs überrascht wurden, waren trotz der günstigen Umstände am Markt und dem aufgebauten Vertrauen in die Partner, vor allem harte Arbeit. Grundsätzlich kümmerte sich Friedrichs um die Projektabwicklung und -steuerung, Vater um die Kundenakquise. Tatsächlich jedoch ließ sich diese Aufgabenteilung nicht durchhalten, wie sich Vater erinnert: „In den ersten zwei Jahren haben alle alles gemacht. Wir haben sogar die Briefmarken auf die Umschläge geklebt und sind die Baustellen abgefahren. Das waren Zeiten mit 90 bis 100 Stunden Arbeit pro Woche. Und jede Woche hatte sieben Tage. In den ersten zwei Jahren haben wir extrem viel gearbeitet. Existenzgründer, die meinen, sie können von 9 bis 15 Uhr arbeiten..." „Das funktioniert nicht", beendet Friedrichs Vaters Satz nüchtern.

Die Idee vom Kompetenznetzwerk

Trotz des Wachstums war beiden Unternehmern klar, dass der Boom durch den Y2K-Bug nicht lange währen und der Markt schließlich einbrechen würde. „Mitte 1999 haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir den Fall abfedern können, denn unser oberstes Ziel war es immer, die Arbeitsplätze zu erhalten." Die Lösung zielte auf ein vertikales Wachstums, eine Verbreiterung des Portfolios. Am Standort Hamburg akquirierte man aktiv ein Tochterunternehmen, einen „verantwortlichen Mit-Unternehmer", wie Vater klarstellt, der das Geschäft vor Ort selbstständig verantworten sollte.

So kam 2000 die Vater NetCom GmbH hinzu, die sich um den Geschäftsbereich aktive Netzwerktechnik kümmerte. „Nicht Plug and Play, sondern richtige Maschinen", wie Friedrichs bestimmt betont. Die vertikale Expansion war in der Rückschau die richtige Entscheidung, denn trotz des schrumpfenden Marktes nach dem Abarbeiten der Y2K-Aufträge konnten Mutter- und Tochterunternehmen um 100 Prozent wachsen, während einige Mitbewerber sogar aus dem Wettbewerb verschwanden. Das Wachsen und die Diversifizierung durch Tochterunternehmen war alternativlos, denn Vater und Friedrichs war klar, dass sie eine neue Sparte nicht selbst aufbauen konnten, ohne die eigene Arbeit zu vernachlässigen. „Es wäre uns gar nicht möglich gewesen, uns in weitere Bereiche so weit einzuarbeiten und diese zu beherrschen", erinnert sich Friedrichs. „Wir brauchten jemanden, der als Experte für uns das Tagesgeschäft in der neuen Sparte aufbaut und abwickelt."

Das Prinzip, spezialisierte Teams als Töchter in einer Unternehmensgruppe willkommen zu heißen, ist für die Vater Gruppe zur Philosophie geworden. Über die Jahre hatten Vater und Friedrichs ein Netzwerk aufgebaut und waren in der Branche im Gespräch. Aus Vaters Sicht wurde sein Unternehmen als wachsend, innovativ und die Menschen wertschätzendes Unternehmen wahrgenommen. Dieser gute Ruf war es aus seiner Sicht, was die Teams angezogen hat. „Alle weiteren Tochterunternehmen sind dadurch entstanden, dass Menschen auf uns zugekommen sind, die sich gerne bei Vater einbringen würden und das Portfolio ergänzen konnten", erinnert sich Vater. So kamen nach und nach weitere Gesellschaften dazu. Heute ist es eine Holding-Struktur mit 11 operativen Gesellschaften.
Doch nicht nur das passende Portfolio war wichtig. Stets legten Vater und Friedrichs größten Wert darauf, dass auch die Werte in den Tochterunternehmen passten. „Wir wollten immer ein innovatives, aber auch ein wertschätzendes Unternehmen sein", führt Klaus-Hinrich Vater aus. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man über Wertschätzung und Vertrauen – wie wir beide es ja auch untereinander pflegen – einfach eine sehr gute Leistungsbereitschaft erreicht. Wir wollten und wollen Selbständigkeit zulassen, fordern und fördern. Die Menschen nach ihren Stärken einzusetzen ist etwas, das uns immer ausgezeichnet hat", beschreibt Vater seine Führungslinie.

Ehrenamt wird groß geschrieben

Die gewachsene Sicherheit bot Vater und Friedrichs ab 2009 die Möglichkeit, sich etwas zurückzunehmen, mehr Zeit mit ihren Familien zu verbringen und sich auch außerhalb des Unternehmens zu engagieren. „Es ist für mich wichtig, dass sich Unternehmer ehrenamtlich engagieren und ich bin dankbar dafür, dass meine Kollegen das mittragen. Wir haben daher auch in unseren Führungsgrundsätzen verankert, dass wir unsere Mitarbeiter darin unterstützen, ehrenamtlich tätig zu sein." Bei Vater sind Feuerwehrleute an Bord; Mitarbeiter engagieren sich beim DRK oder auch beim THW. Vater selbst ist unter anderem seit mehr als 30 Jahren bei der Klausdorfer Feuerwehr, im Aufsichtsrat der Wirtschaftsjunioren und seit 2009 auch Präsident der IHK. Im kommenden Jahr will er sich zum Vizepräsidenten des DIHK wählen lassen. „Das das alles so kommt hätte ich vor 20 Jahren nicht für möglich gehalten. Und all das ist nur möglich geworden, weil Uwe Friedrichs mir den Rücken frei gehalten hat und unsere Kollegen das ermöglichen", schließt Vater. Friedrichs lächelt und nickt ihm zu, während er sich ein wenig nach hinten lehnt.

Beim Blick in die Zukunft zeigt sich, dass sich die Prioritäten der Vater Gruppe verschoben haben. Wachstum ist nicht mehr das Maß der Dinge. „Wichtiger ist uns, dass wir uns innovativ weiterentwickeln und in unseren Technologien und Kompetenzen führend bleiben. Wir haben im Norden eine Größe erreicht, mit der man unheimlich viel gestalten und erreichen kann; indem man seine eigenen Mitarbeiter weiter entwickelt und indem man Menschen zuhört und an sich bindet, die Vorstellungen davon haben, wo sich die Welt wie verändert", erklärt Vater. Für die Unternehmer steht gegenwärtig die Frage im Fokus, wie man der Transformation der Wirtschaft begegnen kann. „Diese Transformation wird eine große gesellschaftliche Aufgabe. Wir sind mitten drin in spannenden Zeiten."

Gegenseitiges Vertrauen, aufeinander verlassen können und miteinander arbeiten – das sind die Prinzipien, nach denen Vater und Friedrichs ihr Unternehmen aufgebaut und nach denen sie es weiterentwickelt haben. „Alleine ist man eben nicht viel", schließt Vater.