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Wie eine E-Mail den Rechner lahmlegt

Von Alena Simon, sh:z vom November 2014
Es ist der Albtraum aller Rechner-Nutzer. Hunderte von Mails sprengen das Postfach, alle vom gleichen Absender im Sekundentakt angekommen. Man weiß: Da ist etwas nicht richtig. Ein falscher Klick und es ist passiert.

Viren-Falle: Dagmar Kuhlmann wurde über ihr Internet-Postfach Opfer von Hacker-Angriffen und musste ihren Computer stilllegen


GLÜCKSBURG 182 Emails in nur drei Tagen – und alle vom gleichen Absender. „Ich habe gedacht, ich wäre gut informiert“ meint Dagmar Kuhlmann, Leiterin der Volkshochschule Glücksburg. Dennoch wurde sie das Opfer von Hackern: Im Sekundentakt waren die Emails Mitte Oktober in das Postfach eingegangen und kamen nach dem Löschen hartnäckig wieder.
Einige Tage ging das so, bis der entscheidende Fehler begangen wurde: Ihre Tochter öffnete aus Neugier eine der Mails. Anfänglich passierte nichts. Da sie auf keinen Link geklickt und auch keinen Anhang geöffnet hatte, hoffte Kuhlmann auf ein Ende der Spamwelle.

Die ersten Veränderungen traten eine Woche nach dem Öffnen der Mail auf: Private Nachrichten aus dem Telekom-Postfach von Juli an waren verschwunden. Bereits kurze Zeit später konnte der Rechner sich nicht mehr ins Internet einwählen und tat auch sonst nicht mehr das, was er sollte. „Mein Computer hat ein Eigenleben entwickelt“, sagt Kuhlmann.
Kurz darauf kam ein Brief von der Telekom, ganz alt modisch per Post: Das Email-Postfach sei aufgrund von Missbrauch gesperrt worden. Doch Personen aus dem Emailverteiler von Kuhlmann hatten bereits Mails der gleichen Art erhalten. Neben dem privaten Schaden, hat Kuhlmann auch mit dem beruflichen Schaden zu kämpfen: Wichtige Daten sind durch den Virus nicht abrufbar. Inzwischen ist der Rechner stillgelegt. „Ich habe zu lange gewartet, einen Fachmann zu rufen“, gesteht sich Kuhlmann ein. Auch wenn der Rechner vorerst außer Betrieb ist, ist der Schrecken noch nicht vorbei. Nun heißt es, möglichst alle Daten von dem betroffenen Rechner zu sichern. Ob der Virus das jedoch zulässt, steht noch aus. Bis heute löscht er weitere Emails aus dem persönlichen Postfach. Bis in den Schlaf hinein, verfolgt der Virus Kuhlmann: „Ich habe richtige Albträume.“


Welche Gefahren von solchen Emails ausgehen können, wissen André Hojka und Phillip Wilke, Sicherheitsexperten des IT-Dienstleisters Vater Unternehmensgruppe.
Es gebe die sogenannten Phishingmails, die unter falschen Identitäten versuchen, an Bankdaten oder Passwörter des Nutzers zu gelangen, sagt Hojka. Vorsicht sei auch bei Emails mit Anhängen oder Links unbekannter Herkunft geboten. Diese können einen Schadcode enthalten, der beim Öffnen des Anhangs aktiviert wird.
Auch wenn man umsichtig mit seiner Emailadresse umgeht, besteht die Möglichkeit Opfer von Angriffen zu werden, sagt André Hojka. Nicht nur über Portale können die Emailadressen abgegriffen, sondern auch durch das Zufallsprinzip erraten werden: Domains - wie @gmx.de oder @t-com.de - sind öffentlich bekannt. Algorithmen, also Programme, die extra dafür geschrieben sind, können nun alle möglichen Kombinationen ausprobieren. Wenn die Adresse verifiziert ist, wird die Email abgeschickt und bleibt als valide Emailadresse für Spammails im Verteiler.
Einen virenfreien Neustart beginnt Dagmar Kuhlmann mit einem neuen Rechner. Auch eine neue Emailadresse hat sie erstellt und ebenso ist ein solider Virenschutz bereits groß eingeplant: „Auf dem neuen Rechner wird alles drauf sein.“

 

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