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Die Sieger des diesjährigen Vater Kunstpreises stehen fest

Der erste Preis geht an den in Hamburg lebenden Künstler Ralf Ritter, der sich mit der dreiteiligen Fotoarbeit „Crawler 1-111“ beworben hat. Mit dem zweiten Platz wird das Gemälde „Gagballbaby Netzwerk“ des Kieler Künstlers Rolf Triloff ausgezeichnet. Den dritten Platz erhält Sascha Kayser für sein fotorealistisches Gemälde „Anonym“.

101 Künstlerinnen und Künstler ließen sich von dem Motto „Alles im (Daten-)Fluss“ inspirieren und reichten insgesamt 107 Arbeiten ein. Die in Kiel ansässige Vater Unternehmensgruppe hat den mit 5.000 Euro dotierten Preis zum zweiten Mal ausgelobt.

Klaus-Hinrich Vater, Gründer und Geschäftsführer der seit 1997 existierenden Vater Gruppe, freut sich, dass der diesjährige Kunstpreis wieder ein solcher Erfolg ist. Insbesondere, da die Ausschreibung erstmalig auf die Region Norddeutschland begrenzt war. „Die Vater Gruppe ist ein in Norddeutschland tätiges Unternehmen“, erklärt Vater, „ so dass es für uns nahe lag, unser Engagement auf Künstlerinnen und Künstler aus dieser Region zu fokussieren“.

So will die Vater Gruppe mit dem Kunstpreis ein Forum schaffen, um den Dialog zwischen Kunstschaffenden und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung zu fördern. „Die Preisverleihung mit anschließender Ausstellung bietet die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Ideen und Projekte entstehen zu lassen“, so Vater.

Gemeinsam mit der Jury zeigte sich Vater fasziniert von der Qualität und Vielfalt der eingereichten Werke. Die extrem unterschiedlichen Themeninterpretationen der Künstler spiegeln sich nicht nur in den Motiven, sondern auch in der Wahl der Technik wieder. In einem mehrstufigen Juryverfahren wurden die eingereichten Beiträge gesichtet und fachlich diskutiert. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht, aus den 19 Finalisten-Beiträgen die Preisträger zu ermitteln“, erklärt Vater und freut sich, drei so überzeugende Arbeiten prämieren zu können.

Die Jury

  • Franziska Stubenrauch, Künstlerin
  • Prof. Rainer W. Ernst, Präsident der Muthesius Kunsthochschule
  • Prof. Dr. Bernd Vesper, Fachhochschule Kiel
  • Jörn Genoux, Journalist
  • Klaus-Hinrich Vater

Allgemeines
Mit dem Vater Kunstpreis werden Künstler ausgezeichnet, die sich in überzeugender Weise mit einem von Vater festgelegten Thema auseinandergesetzt haben. Ziel ist es, den Austausch zwischen Künstlern und Wirtschaft zu fördern. Der Vater Kunstpreis wird seit dem Jahr 2011 alle zwei Jahre verliehen.

Thema / Motto
Das Thema des Vater Kunstpreises 2013 lautet „Alles im (Daten)Fluss“.

Zur Erklärung:
Ohne Datenfluss wäre unsere moderne Gesellschaft nicht denkbar. Kommunikation findet heute immer häufiger durch den Austausch von Daten statt. Daten tragen Informationen, schaffen Werte und stehen damit zugleich für eine rasante technologische und soziale Entwicklung. Wie sehen das die Künstler? Als Überholspur auf dem Weg in eine bessere Welt oder als besorgniserregendes Symptom?

Der Datenfluss ist ein zentrales Thema der Vater Unternehmensgruppe: Ihn zu  gewährleisten und in die richtigen Bahnen zu lenken sowie seine reibungslose, sichere Verarbeitung sicherzustellen, ist eine der Kernkompetenzen der Vater Gruppe.

 

Die Preisträger

1. Ralf Ritter

"Crawler 1-111"
40,5 x 47 cm
Gelatine, Acryl, Tinte auf Leinwand auf Holz
2013

Gibt man bei einer Suchmaschine die Frage "Wie sieht das Internet aus?" ein, stößt man auf eine Reihe sehr technisch- futuristisch anmutender Grafiken und Foto-Designs. Gesucht wird ganz offensichtlich eine Darstellungsform, die ein hohes Maß an Abstraktion aufweist, Dynamik suggeriert und zugleich die Beherrschbarkeit  des Mediums illustrieren soll: Alles ist erklärbar, steuerbar, bis auf Punkt und Komma berechenbar.

Unsere ganz persönliche  Wahrnehmung der vernetzten Welt ist dagegen anders:
Ein merkwürdiges  Ding, das immer mehr kann, als wir selbst gerade wissen oder verstehen, ein oo-armiges Wesen, das durch Leitungen und Luft kriecht und seine Saat verstreut, das nie schläft und immer schon dort ist, wo man selbst gerade ankommt. Unsichtbar, ubiquitär und äußerst viril. Etwas Lebendiges, Organisches das mit seinen Adern, Netzen, Feuern und Zellen ein Eigenleben führt. Schön und furchteinflößend zugleich.

Meine Bilder siedeln in diesem Zwiespalt: Schimären zwischen Technik und Organ, Wesen und Objekt. Nicht nur auf der bildliehen Ebene beharren sie auf dieser Uneindeutigkeit, sondern auch auf der medialen -sie sind Bild und Objekt, ihr Material, Gelatine, ist plastische Information an sich und Informationsträger zugleich.


 

2. Rolf Triloff

"Gagballbaby – Netzwerk"
Gemälde, Acryl auf Leinwand, 80 x 120 cm, Entstehung: Januar 2013

Das Bild zeigt in der freien Landschaft kommunizierende "Gagballbabies". Die Gagballbabies sind ein in meinen Arbeiten vorherrschendes Bildthema.

Sie haben das immergleiche "Gesicht" ohne Nase und an Stelle des Mundes einen roten Ball, den namengebenden "Gagball" (Doppelbedeutung "gag": Knebel/Witz), der ihnen z.B. telefonieren eigentlich unmöglich macht...

In dem Bild "telefonieren" sie trotzdem, und zwar mit "Dosentelefonen", die mancher vielleicht aus seiner Kindheit kennt. Die Übertragung der Tonschwingungen geschieht hierbei mechanisch über straff gespannte Drähte oder Schnüre von Dose zu Dose. So über kurze und lange Distanzen untereinander verbunden, entstehen Kommunikationsstrecken über mehrere Stationen, Netze, und in sich geschlossene Kreise.

Diese Übertragungstechnik erfordert volle Konzentration, muss doch der Draht gespannt gehalten werden, um die "Daten" zu übertragen. Auch Hindernisse, wie z.B. Äste oder andere Drähte gefährden die einwandfreie Übermittlung der
Informationen.

Die Gagballbabies entstehen seit 2010 in vielen Formen, unter anderem als Zeichnungen, Gemälde und skulpturale Objekte in meinem kieler Atelier.

Öffentlich gezeigt wurden Gagballbaby-Arbeiten bisher auf der Landesschau 2010 (Stadtgalerie, Kiel), bei Prima Kunst (2011, Kiel), im Parkraum Düren (2011, Skulpturenmesse, Düren), in der Galerie im Seefischmarkt (2011, Kiel), dem Kunstverein Haus 8 (2012, Kiel, Ausstellung"Something is rotten") und auf dem Skulpturenweg Schönkirchen (2012, Kiel).


 

3. Sascha Kayser

„Anonym“
Acryl und Papier auf Leinwand, 100 x 160 cm, 2013.

In meiner Arbeit „Anonym“ setze ich das gestellte Wettbewerbsthema absichtsvoll direkt und doch vielschichtig um. „Alles im Datenfluss“ verweist grundsätzlich auf den Transport von Informationen zwischen Menschen in unserer komplexen medialen Welt. Diesen kommunikativen Prozess habe ich in ein kompliziertes, sehr sinnbildliches Geflecht menschlicher Körper übersetzt, die sich in unterschiedlichsten bewegten Posen und einzelnen Aktionen des Datenaustauschs in einem neutralen Raum, scheinbar schwerelos, über die gesamte Bildfläche verknüpfen.

Realistische Bestandteile — Fotografien meiner eigenen Person, des realen Kartonmodels und der technischen Geräte — werden am Rechner montiert, ausgedruckt und auf der Leinwand collagiert. Ein Bildbearbeitungseffekt sorgt in diesem Fall für eine starke Vereinfachung des Motivs. Auf gerasterte Flächen komprimiert, erfährt es eine im Umgang mit Datenmengen übliche Anwendung und lässt es wie einen Ausschnitt der digitalisierten Welt erscheinen. Diese somit bereits entfremdeten Fragmente der Wirklichkeit werden anschließend malerisch ausformuliert, in der grautonigen Schwarzweißpalette vereinheitlicht und zugleich surreal gebrochen. Das für meine Arbeit charakteristische Prinzip der Montage führt somit zu einem schlüssigen Bildaufbau und sichert dem Bild einen dominanten Fotorealismus, während ihm die malerische Umsetzung eine persönliche Handschrift verleiht.

Thema des Bildes ist die Widersprüchlichkeit von faktischer Anonymität des Einzelnen und seiner fiktiven Sozialkontakte. Die dargestellten gesichtslosen, stummen und schwebenden Figuren sind in diesem Sinne Metaphern für unseren spielerischen, aber oft auch leichtfertigen Umgang mit Dateninhalten, die in ihrer inflationären Fülle nicht mehr verarbeitet werden können. Der Mimik beraubt, durch simple Sehlöcher auf das wichtigste Wahrnehmungsorgan reduziert, versuchen sie Schritt zu halten und das Wirrsal von Eindrücken im digitalen Raum zu kontrollieren. Überall Nullen und Einsen, die zwar Vieles entscheiden, aber von uns nur mit unterschiedlicher Hardware bearbeitet und anschließend weitergeleitet werden. Wer ist was? Wo stehe ich im Geflecht? Habe ich mich selbst entschieden mitzuspielen, oder wurde ich nur kopiert, ausgeschnitten und eingefügt?


 

Finalisten

  • Lavanya Boesten mit Alles im Datenfluss
  • Nis-Jesper Knudsen mit Von Einem zum Anderen
  • Gabriele Walter mit ALLES IM (DATEN)FLUSS
  • Ele Runge mit Medusa
  • Constanze Vogt mit Viel (Künstlerbuch), Sparkassenfinanzgruppe, „6“, „0“, „1“,  „8“, „8“, „5“
  • Bernd Hamann mit You are Q.R.
  • Bernt Hoffmann mit 2013 – Alles im Fluss
  • Merlin Laumert
  • Evelyn Steinmetz mit Senden
  • Roswitha Steinkopf mit CLOUD 1
  • Karin Hilbers mit Online
  • Hardy Fürstenau mit Picknick am Fluss
  • Bettina Weiß mit Bleep
  • Thekla Fuchs mit Überflutung
  • KG Augenstern (Christiane Prehn & Wolfgang Meyer) mit Drive-by-shooting
Vater Kunstpreis - Atelierhaus

Von Kabeln, Kunst und Kreativität

Im Kieler Atelierhaus im Anscharpark ist es still geworden. Nur noch leises Murmeln ist zu hören, ab und zu ein Hüsteln. Der Ausstellungsraum ist bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt. Alle warten gespannt. Klaus-Hinrich Vater, Gründer und Geschäftsführer der seit 1997 existierenden Vater Gruppe, ist soeben ans Rednerpult getreten. Gleich wird er die Gewinner des diesjährigen Vater Kunstpreises bekanntgeben.

Bis zu diesem Moment hin war es ein langer Weg. Viele Stunden hat die Jury diskutiert und argumentiert. Die Zusammensetzung des fünfköpfigen Teams war dieselbe wie schon 2011. Neben Klaus-Hinrich Vater komplettierten die Künstlerin Franziska Stubenrauch, Prof. Rainer W. Ernst, ehemaliger Präsident der Muthesius Kunsthochschule, Wirtschaftsredakteur Jörn Genoux und Prof. Dr. Bernd Vesper, Dekan des Fachbereichs Medien an der Fachhochschule Kiel die Fachjury. Es galt, die verschiedenen Betrachtungsweisen von Kunst sowie die individuellen Interpretationen des vorgegebenen Themas "Alles im (Daten)Fluss" in Einklang zu bringen.

Doch wie kommt ein IT-Unternehmen überhaupt dazu, einen Kunstpreis zu vergeben? Es war die Idee von Regine Schlicht, Leiterin Unternehmenskommunikation der Firma Vater. Klaus-Hinrich Vater gibt zu: "Mir selbst wäre das nicht in den Sinn gekommen, ich bin eher das, was man gemeinhin einen Kunstbanausen nennt."

Sinn des Kunstpreises ist es, Kunstschaffende und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung miteinander zu vernetzen. "Netzwerken, kommunizieren, voneinander lernen - das erzeugt nicht nur gegenseitiges Verständnis bei allen Beteiligten, es entstehen so auch neue Ideen und Projekte", beschreibt Vater das Konzept des Kunstpreises. Mit dieser Idee hat Regine Schlicht ihn überzeugt. Mit Erfolg: in diesem Jahr findet der Vater Kunstpreis bereits zum zweiten Mal statt. Insgesamt reichten 101 Künstlerinnen und Künstler 107 Werke ein. Und das, obwohl die Ausschreibung erstmalig auf die Region Norddeutschland begrenzt war. „Die Vater Gruppe ist ein in Norddeutschland tätiges Unternehmen“, erklärt Vater, „so dass es für uns nahe lag, unser Engagement auf Künstlerinnen und Künstler aus dieser Region zu fokussieren“.

Klaus-Hinrich Vater ist fertig mit seiner Ansprache. Viele unterhaltsame Sätze hatte er eingebaut, aber auch ein paar ernste Töne anklingen lassen. Besonders am Herzen läge ihm, dass es den Kunstpreis auch in Zukunft gäbe. Dies sei jedoch nur möglich, wenn die Politik keine weiteren Steuererhöhungen vornehme.

Jetzt tritt Prof. Dr. Bernd Vesper von der Fachhochschule Kiel, Fachbereich Medien, ans Rednerpult. Er hält die Laudation für den mit 1000 Euro dotierten dritten Platz des Kunstpreises, der in diesem Jahr an Sascha Kayser geht. Der Kieler Künstler überzeugte die Jury mit seinem Werk "Anonym", das zahlreiche Metaphern für das Thema Datenfluss aufweist. Auf dem fotorealistischen Acrylgemälde sind menschliche Wesen zu erkennen, die frei im Raum zu schweben scheinen. Über die Köpfe der Wesen sind Kartons gestülpt, lediglich zwei kleine Löcher ermöglichen das Sehen - sie sind anonym. In den Händen halten sie Komponenten der digitalen Informationsverarbeitung. "Manche scheinen diese einer anderen Person zu übergeben, andere beschäftigen sich isoliert mit ihrem Gerät, sind aber durch die Anordnung trotzdem Teil des Ganzen. Die digitalen Medien verbinden die Wesen zu einem Netzwerk, sie sind im Datenfluss", beschreibt Prof. Dr. Bernd Vesper das Werk von Sascha Kayser. Hören Sie die Laudatio

Der Künstler hat schon beim ersten Vater Kunstpreis teilgenommen. Auch in diesem Jahr gefiel ihm das Thema sehr gut und die Idee zu seinem Werk war schnell gefunden. "Wichtig war mir, dass auf jeden Fall Menschen die Hauptrolle spielen müssen, ein Geflecht von Menschen", erzählt Sascha Kayser. Jede Person auf dem Bild ist er selbst, fotografiert mit Selbstauslöser. Der Künstler verwendete digitale Medien - Kamera, Rechner, Bildbearbeitungsprogramm. Aber die letztendliche Umsetzung des Bildes habe er mit Farbe, Leinwand und Pinsel persönlich gemacht.

Erneuter Wechsel am Rednerpult. Wirtschaftsredakteur Jörn Genoux vergibt den mit 1500 Euro Preisgeld dotierten zweiten Platz an Rolf Triloff. „Man nehme leere Konservendosen und eine Schnur“, beginnt Genoux seine Laudation und fährt dann mit der ausführlichen Anleitung zum Bau eines Dosentelefons fort. Denn diese, vielen schon aus der Grundschulzeit vertraute Form der Datenübertragung wurde von Triloff aufgegriffen und in seinem Gemälde "Gagballbaby-Netzwerk" umgesetzt.

Bereits seit drei Jahren malt und baut der Kieler Künstler seine Gagballbabies, die er stets in ganz unterschiedliche Zusammenhänge stellt. Markenzeichen der Figuren ist, dass sie weder Mund noch Nase besitzen, sondern nur den knallroten Gagball. Doch Triloff stellt seine Figuren immer wieder in Situationen dar, in der sie Sachen machen, die sie eigentlich nicht können, beispielsweise Trompete spielen. Das Thema sei ihm quasi in den Schoß gefallen. "Datenfluss hat für mich mit Kommunikation zu tun, auch mit Austausch von Ideen und Meinungen. Da passten die Gagballbabies gut rein." Extra für den Kunstpreis fertigte der Künstler das Gemälde "Gagballbaby-Netzwerk" an, auf dem die technoiden Wesen mit Hilfe eines Dosentelefons in einer weiten romantischen Landschaft scheinbar kommunizieren.

Besonders gefallen habe der Jury die bewusste Naivität, die zeigt, wie gedankenlos heutzutage manchmal der Umgang mit der modernen Datentechnologie erfolgt und dass die Menschen dadurch anonymisiert und gleichgesetzt werden. Franziska Stubenrauch lacht: "Ich habe früher gesagt: 'Ich und Internet? Nie!' Ja, und jetzt geht es gar nicht mehr ohne!"

Ohne das Internet wäre Ralf Ritter, Künstler aus Hamburg, wohl auch nicht auf die Idee für sein dreiteiliges Kunstwerk "Crawler 1-111" gekommen. Inspiriert wurde er nämlich auf der Vater-Webseite, als er ein Foto sah, das einen Datenraum voller Kabel zeigt. "Der Künstler Sigmar Polke hat mal gesagt auf die Frage, wie er denn zur Kunst gekommen sei: mit dem Bus. Und so ähnlich war es bei mir auch", lacht Ralf Ritter. Grund zur Freude hat der Hamburger auch, denn er ist der erste Preisträger des Vater Kunstpreises. Bei der Herstellung des Werkes verwendete Ritter eine ungewöhnliche Methode. Die sepiafarbenen Fotos druckte er in feuchte Gelatine und zog sie anschließend auf eine Leinwand ab. Im Endeffekt geben Sie den Anschein, als ob sie alte Polaroid-Bilder wären.

"Hier wird Datenfluss fast naturkundlich dargestellt. Das Kabel wird zu einem Vertreter und Statthalter von Naturelementen, es bekommt etwas Organisches. Und das in der Verbindung mit der Technik und dem Material passt sehr gut", findet Franziska Stubenrauch, Laudatorin des Werkes. Zudem ist sie besonders angetan von der Reduzierung. Das Kabel zeige einen Körper, der in Bewegung ist, nicht nur bloßer Nutzgegenstand.

Ralf Ritter selbst beschreibt sein Werk in einem Satz so: "Meine Bilder siedeln in diesem Zwiespalt: Schimären zwischen Technik und Organ, Wesen und Objekt."

Franziska Stubenrauch greift dieses Zitat in ihrer Laudation auf: "Genau dieser Zwiespalt bleibt uns als herausfordernde Frage erhalten, die weiterhin im Untergrund des Themas "Alles im (Daten)Fluss" herumkrabbelt und für produktive Unruhe sorgt. Ich gratuliere dem ersten Preisträger des diesjährigen Vater Kunstpreises zu einer feinen, hintersinnigen Arbeit!"

Die feierliche Preisverleihung ist beendet. Doch der Abend ist noch lange nicht vorbei. Speisen und Getränke werden serviert. Die vielen Gäste aus Wirtschaft, Politik und Kunstszene vermischen sich, es erklingen angeregte Gespräche. Manche schreiten langsam durch die Ausstellung im Atelierhaus, das ehemals Haus 8 hieß. Wo früher Großküche, Waschanstalt sowie Plättstube und Speisesäle untergebracht waren, hängen heute Kunstwerke der unterschiedlichsten Art und Größe. Ausgestellt wurden die Werke der 19 Finalisten. Die Konstellation der Jury spiegelt sich auch in der Vielfalt der Werke wider. Alles ist vertreten: Von moderner Kunst in Form von Gemälden, über abstrakte Fotografien bis hin zur digitalen Kunst. Die Gäste sind begeistert, sie staunen, zeigen mit dem Finger auf Details, die sie erst jetzt erblicken. Besonders auf dem Werk "Anonym" von Sascha Kayser kann man ständig etwas Neues entdecken.

Auch Ralf Ritter geht durch die Ausstellungsräume. Wie alle Preisträger, hat auch er erst an diesem Tag von seiner Platzierung erfahren. Mit dabei waren seine Kinder, die ihn noch vor der Preisverleihung mit der Frage bestürmten: "Papa, Papa, hast du gewonnen?" Jetzt steht es fest. Für Ralf Ritter ändert sich durch den Gewinn aber nicht viel. Er will weiter seine Kunst machen. Auf die Frage, was denn Kunst für ihn bedeute, sagt Ralf Ritter: "Alles und nichts. Inzwischen setze ich mich wirklich tagtäglich damit auseinander. Und ich lebe es. Deswegen kann ich nicht mehr beurteilen, was es wirklich ist."

Der Abend neigt sich dem Ende zu. Noch immer sind viele Gäste anwesend und knüpfen neue Kontakte, frischen alte auf oder genießen einfach nur das Ambiente. Dass es Sinn macht, dass ein wirtschaftliches Unternehmen, wie die Firma Vater, einen Kunstpreis vergibt, wurde wieder einmal bewiesen. Auch die Meinungen der Gäste stimmen weitestgehend überein. "Ganz wenige Menschen schauen sich Kunst an, drei bis fünf Prozent vielleicht, und davon kauft nicht mal ein Prozent irgendein Werk. Aber die Künstler müssen unterstützt werden und wenn die Wirtschaft das macht, dann finde ich das sehr schön", berichtet ein Besucher. Er hofft, dass die Vater Unternehmensgruppe auch eine Anregung für andere Firmen darstellt, sich für die Kunst und die Gesellschaft zu engagieren. Journalist Jörn Genoux fasst zusammen: "Die Wirtschaft lebt davon, dass frei gedacht wird. Und Kunst bläst das Gehirn mal so richtig frei, regt zum Nachdenken an und gibt ganz ganz viele Ideen."

Regine Schlicht läuft an mir vorbei. Sie ist sehr gefragt an diesem Abend, wird von fast jedem in ein Gespräch verwickelt, beantwortet aber stets alle Fragen mit großer Freude und viel Begeisterung. In der Jury saß Regine Schlicht nicht und darüber ist sie froh, denn es wäre ihr schwer gefallen, fünf Finalisten auszuwählen. Einen bestimmten Favoriten unter den ausgestellten Werken hat sie nicht. Es gibt jedoch viele Werke, die sie spontan ansprechen. "Dazu gehört natürlich unser erster Preisträger Ralf Ritter mit seinen Kabeln, denn auch ich komme aus der IT und es ist für mich einfach greifbar, dass ein Kabel Datenfluss darstellt."

Das Ziel ist erreicht, Künstler und Gäste sind zufrieden und Regine Schlicht resümiert: "Wir haben es geschafft, mit unserer Abendveranstaltung, die wesentlicher Bestandteil des Konzeptes ist, viele spannende Leute zusammenzubringen." Gemeinsam mit Klaus-Hinrich Vater blickt sie positiv in die Zukunft. Die große Resonanz macht Mut und so wird im Jahr 2015 der dritte Vater Kunstpreis stattfinden.

Im Anschluss an die Preisverleihung gab es eine mehrwöchige öffentliche Ausstellung im Atelierhaus im Anscharpark.

Die Reportage

Im Rahmen ihres Industrieprojektes haben die beiden Studierenden Mary-Ann Helbing und Annemarie Nielsen aus dem Fachbereich Medien der Fachhochschule Kiel diesen Bericht und eine multimediale Reportage über den Vater Kunstpreis erstellt.

Das Team

Die beiden Studentinnen Annemarie Nielsen und Mary-Ann Helbig (v.l.), hier im Gespräch mit Sascha Kayser.

 

Preisverleihung des Vater Kunstpreises 2013

Vater Kunstpreis

Ansprechpartnerin

Regine Schlicht
Leiterin Unternehmenskommunikation
Tel. 0431 20084-320
Fax. 0431 20084-329
rschlicht@vater-gruppe.de