Vater Kunstpreis

1. Platz beim Vater Kunstpreis für Kieler Künstlerin

19. Mai 2011 - Heute wurden die Gewinner des Vater Kunstpreises in Kiel geehrt. Der erste Platz geht an die Kielerin Ina Weißflog für ihre Fotomontage „Kammer 10“. Den zweiten Platz teilen sich Katrin Schmidbauer und Barbara Frieß aus Berlin für ihre Installation am Brunswiker Pavillon aus dem Jahr 2010, die Teil ihrer Serie „Identify your Territory“ ist. Mit dem dritten Platz wird der Berliner Künstler Christian Pilz für eine Bleistiftzeichnung ohne Titel ausgezeichnet.

Bild oben, v.l.: Ina Weißflog, Christian Pilz, Katrin Schmidbauer, Barbara Frieß, Klaus-Hinrich Vater

Alle Arbeiten setzen sich mit der „Vernetzung“ auseinander, dem diesjährigen Thema des Vater Kunstpreises. Es haben sich 225 Künstler mit 298 Kunstwerken um den mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Vater Kunstpreis beworben, darunter auch Kunstschaffende aus Großbritannien, Italien, Dänemark, Österreich und der Schweiz.

„Wir freuen uns, dass der Kunstpreis bereits beim ersten Mal ein solcher Erfolg ist“, erklärte Klaus-Hinrich Vater, Gründer und Geschäftsführer der Vater Gruppe. Mit dem Kunstpreis will die Vater Gruppe ein Forum schaffen, um den Kontakt zwischen Kunstschaffenden und Wirtschaftsvertretern zu fördern. „Die Sicht der Einen kann die Sicht der Anderen nur bereichern, ihren Horizont erweitern und sie so zu neuen Ideen oder Projekten anregen“, so Vater. Deswegen habe man die Verleihung des Vater Kunstpreises auch mit einer Vernissage verbunden, die Künstlern und Vertretern der Wirtschaft die Gelegenheit biete, ins Gespräch zu kommen.

Vater bedankte sich bei den Künstlern für ihr Engagement. Außerdem hob er die Arbeit der Jury hervor: „Die fachkundige Beurteilung durch die Juroren gewährleistet eine angemessene Bewertung der eingereichten Kunstwerke und verleiht dem Wettbewerb die gebotene Ernsthaftigkeit“, so Vater.. Zu den Mitgliedern der Jury zählten Prof. Rainer W. Ernst, Präsident der Muthesius Kunsthochschule, die Kieler Künstlerin Franziska Stubenrauch, Prof. Dr. Bernd Vesper, Fachhochschule Kiel, der Journalist Jörn Genoux und Klaus-Hinrich Vater.

Die Gewinnerin des ersten Platzes, Ina Weißflog, überzeugte die Jury „mit einer leisen, ironischen Arbeit zum Thema“. Ina Weißflog, so die Juroren, arbeite künstlerisch seit langem mit dem Vernetzungsprinzip, indem sie mit hunderten von digitalen Fotos perfekte Raumillusionen schaffe, die in ihrer Perspektive irritierten und in diesem Fall zur poetisch-ironischen und kritischen Metapher für den vernetzten Menschen würden.

Den zweiten Platz vergaben die Juroren an Katrin Schmidbauer und Barbara Frieß. Das farbige Raster, mit dem die Preisträgerinnen den Brunswiker Pavillon versehen hatten, entspreche den allgemeinen Ordnungsrastern unserer Zeit (Vernetzung, Stadt, gedankliche/zeitliche Abstraktionen), werde aber durch störende Elemente unterbrochen und zeige damit deutlich, wie gefährdet planbare Vernetzungen immer wieder erscheinen, so die Jury.

Die großformatige Bleistiftzeichnung von Christian Pilz beeindruckte die Jury durch die „endlos verschachtelten architektonischen Versatzstücke oder auch Datenbahnen, die ein ausdrucksvolles illustratives Äquivalent einer nicht aufschlüsselbaren chaotischen Vernetzungssituation schaffen, wie sie einer individuellen Wahrnehmung entgegen kommt“.

Die Jury

  • Franziska Stubenrauch, Künstlerin
  • Prof. Rainer W. Ernst, Präsident der Muthesius Kunsthochschule
  • Prof. Dr. Bernd Vesper, Fachhochschule Kiel
  • Jörn Genoux, Journalist
  • Klaus-Hinrich Vater

Die Preisträger

1. Preis: Kammer 10

Ina Weißflog, Kiel
www.inaweissflog.de

Ina Weißflog: In meinen digitalen Fotomontagen untersuche und interpretiere ich den Raum als Bild. Dutzende, oft über 200 Einzelbilder werden am Computer montiert und minimal oder radikal verändert, bis eine Perspektive sichtbar wird, die sich dem menschlichen Blickfeld sonst entzieht. Landschaften, Säle, Treppenhäuser, Zimmer, Flure oder Kammern werden zu stillen Gehäusen für komplizierte Gemütszustände und ambivalente Stimmungen, zu kippeligen Kommunikationsoder skurrilen Wahrnehmungsmodellen.

Wenngleich kaum ein Mensch auf meinen Bildern zu sehen ist, geht es doch im Wesentlichen um ihn. Wie lebt er? Was für Räume baut er um sich herum? Wie prägt der Mensch den Raum und wie prägt der Raum den Menschen, der in ihm agiert, denkt, fühlt, lebt, kommuniziert? Wie hängen Identität und Umgebung zusammen? Die Konsistenzen, Konstellationen und Atmosphären der Raumbilder verweisen auf die Bewohner, auf ihre Gewohnheiten, Befindlichkeiten, Charaktere, Situationen und sozialen Strukturen.


 

2. Preis: tartan

Barbara Frieß und Katrin Schmidbauer
www.barbarafriess.de

Barbara Frieß und Katrin Schmidbauer: Urban Tattooing steht für einen Eingriff in die urbane Ästhetik des Stadtraums. Diese Interventionen untersuchen und hinterfragen urbanen Raum modellhaft in ihrer gesellschaftlichen Funktion.

Die Verkleidung ganzer Architekturkörper, wie sie in der Arbeit "tartan" am Brunswiker Pavillon in Kiel im Sommer 2010 zu sehen war, definiert die Verknüpfung von industrieller Produktion abfallender Makulatur mit urbaner Markierung, wie sie in der Street-Art zu finden ist.


 

3. Preis: ohne Titel

Christian Pilz

Christian Pilz: Die auf den beiliegenden Fotografien abgebildeten Bleistiftzeichnungen visualisieren das Thema "Vernetzung" auf unterschiedlichen Ebenen.

Die auf der Zeichnung dargestellte, von Liniengeflechten durchzogenen Gebäudekomplexe, in denen sich die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum auflösen und eine Verschmelzung von Interieur, architektonischen und urbanen Formen und Strukturen stattfinden, scheinen transparent zu sein oder wie von Röntgenstrahlen durchleuchtet zu werden, so dass ihr Inneres, das in den Verstrebungen der Bodenkonstruktion, den Pfeilern und Balken integrierte Netzwerk, die scheinbar bis ins Unendliche verzweigten Rohre und Leitungen, das Nervensystem dieses architektonischen Organismus, sichtbar wird. Das System der Vernetzung mit seinen unzähligen Knotenpunkten und Verdichtungen bildet ein verwirrendes engmaschiges Netz von Verbindungen, die sich wie Arterien durch die Gebäude bahnen, sich wie Kapillare verzweigen und wie Synapsen unzählige Knotenpunkte und Verdichtungen bilden.

Das der Zeichnung zu Grunde liegende Prinzip der Vernetzung erinnert außerdem an das von Deleuze und Guattari in ihrem Buch "Tausend Plateaus" entwickelte Konzept des Rhizoms, eines ausschließlich aus Verbindungen (äquivalent zu der Linie als bildnerisches Mittel der Zeichnung) aufgebauten Systems. Die komplexen Liniengefüge mehrerer, sich überlagernder oder ineinander verwobener Schichten der Zeichnungen entsprechen einer rhizomatischen Struktur - deren dezentrales und ungerichtetes Wachstum entspricht dem Prinzip der progressiven Erweiterung der linearen Verflechtungen in den Zeichnungen und deren durch die ständige Bildung neuer Konnexionen entstehende Verdichtung innerhalb des sich in alle Richtungen ausbreitenden Liniengefüges.

Auf der Ebene der Darstellung findet die Vernetzung innerhalb der ineinander verschachtelten räumlichen Situationen auf verschiedenen Ebenen statt: Hinweisschilder, Wegweiser, Schautafeln mit Lage- und Grundrissplänen und Informationssäulen mit Monitoren in den Gängen bilden ein Verweissystem innerhalb der von verzweigten und sich kreuzenden Wegen, Gängen und Treppen durchzogenen architektonischen Konstruktionen. Wegweiser verweisen auf andere Wegweiser und weben ein Labyrinth von Verweisen (theoretische Möglichkeiten) in das Labyrinth der Wege (reale Gegebenheiten). Bildschirme und Telefone bilden ein internes Kommunikationsnetzwerk. Auf der Ebene der Datenübertragung vollzieht sich die Verzweigung in einem Netz von Leitungen, die Nervensträngen ähneln. Sie laufen in Knotenpunkten zusammen, bündeln sich in Schaltzentralen, in denen Informationen verrechnet und weitergeleitet werden und fließen über Schnittstellen in Datenverarbeitungsmaschinen, innerhalb deren sich ihre Vernetzung in integrierten Schaltkreisen mikrokosmisch fortsetzt.

Die perspektivische Konstruktion interessiert mich im Zusammenhang dieser Zeichnungen nicht nur als Methode zur Darstellung räumlicher Gebilde auf einer ebenen Zeichenfläche, sondern vor allem in ihrer Funktion als symbolische Form, die eine räumliche Orientierung in der Welt bietet und dem Betrachter ermöglicht (bzw. die Möglichkeit vortäuscht), die Welt durch seine Wahrnehmung und Erkenntnis zu strukturieren, und durch die Lokalisierung des eigenen Standpunkts seine eigene "Position", d. h. sein Verhältnis zu (bzw. in) der Gesellschaft zu bestimmen. In einer Welt, deren Komplexität durch die Verflechtung und Multiplikation ihrer Erscheinungen und Deutungen durch die globale (mediale) Vernetzung täglich gesteigert wird, in der es - entsprechend der rhizomatischen Struktur - kein Zentrum, sondern nur Verbindungen, Knotenpunkte und Verdichtungen gibt, findet auch eine Vervielfachung und ein ständiger Wechsel der Betrachterstandpunkte statt, der durch die Durchdringung und Verschachtelung unterschiedlich (zentralparallel- und polyperspektivisch) konstruierter Räume in den Zeichnungen dargestellt wird.

Preisverleihung des Vater Kunstpreises 2011

Vater Kunstpreis

Ansprechpartnerin

Regine Schlicht
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