wir bei vater

Wir von Vater

Der Ackerschachtelhalm-Züchter

Der einstmals als Gipfel der Spießigkeit verschriene Kleingarten erfreut sich größter Beliebtheit. Mehr als 1 Million Kleingartenpächter gibt es in Deutschland. Berlin ist mit 67.000 Parzellen Deutschlands Kleingartenhochburg, Hamburg folgt auf Platz 3. Im Vordergrund steht heute für viele allerdings der Wunsch nach einer Auszeit. Raus in Grüne. Das geht durch alle Bildungsschichten. Selbst Studenten sind heute vom Kleingartenfieber angesteckt. Das gilt auch für Peter Stüven, Student bei Vater. Für ihn ist sein Garten allerdings mehr als nur ein Wochenendziel.

250 qm nennt Peter sein Eigen. Die Fantasiebegabten unter uns können sich sicherlich beim Betrachten einer solchen Gartenfläche vorstellen, was man so alles an Obst und Gemüse anpflanzen kann. Peter ist einer dieser Fantasiebegabten. Beeren aller Art, Feuerbohnen, Buschbohnen, Mais, Kartoffeln und Paprika – um nur einiges zu nennen. Allein 20 kg Tomaten und 55 kg Kürbis hat er in diesem Jahr geerntet. Was nicht sofort verbraucht wird, wird eingemacht oder verschenkt.
„Es ist wirklich cool zu wissen, wo mein Essen herkommt und dass es wirklich bio ist", erläutert Peter. Es schmecke einfach besser, so der begeisterte Koch, der von sich behauptet: „Ich bin kein superguter Koch, aber ich koche super gerne."

Möglich ist die Vielfalt in seinem Garten dank Misch- und Permakultur. „Einiges sät sich selber aus, anderes sähe ich bewusst aus", erklärt Peter. Was wächst, das wächst. Man muss einfach ein bisschen testen und ausprobieren. So ganz passt das natürlich nicht in die Kleingartenszenerie. „Einigen ist es nicht gepflegt genug", grinst Peter. Aber so sei nun einmal Misch- und Permakultur. Da finden auch Wildkräuter ein Zuhause.
Während Vogelmiere viele Gärtner zur Weißglut treibt, landet sie bei Peter auf dem Teller oder wird an die Schildkröten verfüttert. Auch Ackerschachtelhalm und Brennnessel - Gartenfreunde kunstvoll angelegter Gartenkulturen können unzählige Bekämpfungsmethoden aufzählen - sind bei dem 26-jährigen Studenten gern gesehen. Zu Jauche verarbeitet sind sie ein wunderbarer Dünger.
Peters direkter Gartennachbar entspricht eher dem klassischen Bild des Kleingärtners. „Da er sieht, welche Erträge ich mit meiner Anbaumethode erziele, übernimmt er so langsam das ein oder andere von mir. Er weicht langsam auf", freut sich Peter mit Stolz in der Stimme.
Anbau, Pflege und Ernte - Peter ist in seinem Element. Man sieht ihm an, wie viel Spaß ihm sein Garten macht. Seine Augen strahlen. „Nach einem harten Tag geht es für mich häufig in den Garten. Eine Stunde im Garten und alles ist wieder ok."
Peter ist aber auch leidenschaftlicher Tüftler. Das sieht man dem Garten des gelernten Mechatronikers und Studenten der Wirtschaftsinformatik an. Die automatische Belüftungsanlage für das Gewächshaus hat er selber gebaut und die Steuerung programmiert. Noch läuft sie über eine Autobatterie – Strom gibt es auf dem Kleingartengelände nicht. Geplant ist aber, diese mit der neu gebauten Solaranlage auf dem Dach des Gartenhäuschens zu koppeln. Seine Bewässerungsanlage ist auch nicht nur einfach ein Schlauch. Sie basiert auf den physikalischen Grundlagen des Pascalschen Gesetzes - Daniel Düsentrieb lässt grüßen - und weckt damit jedes Mal wieder die Begeisterung seines Freundes, der Ingenieur ist.
„Ob man nun ein Softwareproblem hat oder man gerne weniger Aufwand mit dem Gießen von Pflanzen hat", so Peter, „es geht in jedem Fall um Problemlösungen." Und da findet er in seinem Garten für die Zukunft sicherlich noch viele Ansätze.